Zum Inhalt springen
Besuch

Drehmomentschlüssel kalibrieren: Was sich mit DIN EN ISO 6789:2017 geändert hat — zu Besuch bei Stahlwille

Beim Test von sieben Schlüsseln lag die größte Abweichung immer am unteren Prüfpunkt. Warum genau dort, haben wir uns in der Kalibrierhalle erklären lassen.

Veröffentlicht
Videomit Kapitelmarken
Kennzeichnung
  • Enthält Provisionslinks (Anzeige) · der Preis ändert sich für dich nicht
  • Kooperationsformat mit Stahlwille · Einblick, kein Test

Das Video zum Einblick

Warum wir dort waren: Stahlwille ist auf unseren Drehmomentschlüssel-Vergleich aufmerksam geworden und hat uns eingeladen, die Kalibrierung und Prüfung von innen zu sehen. Wer gezahlt hat: Stahlwille stellte Ort, Personal und Messtechnik; es gab keine Vergütung. Anreise und Fahrt haben wir vollständig selbst bezahlt. Besuch am 2. September 2026. Was der Hersteller beeinflussen durfte: die Auswahl der gezeigten Anlagen und Produkte; nicht unsere Fragen, nicht diesen Text. Test oder Einblick: Einblick. Stahlwille war Teilnehmer unseres unabhängigen Tests; dessen Ergebnisse stehen ausschließlich dort.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Prüfnorm ist gewechselt: DIN EN ISO 6789:2003-10 wurde im Juli 2017 durch DIN EN ISO 6789-1 und 6789-2 ersetzt.
  • Teil 1 regelt die Konformitätserklärung des Herstellers, Teil 2 die Kalibrierung mit Bestimmung der Messunsicherheit. Beides sind verschiedene Dokumente mit verschiedener Aussage.
  • Die Prüfpunkte haben sich verschoben: früher 20 %, 60 % und 100 % vom Maximalwert, heute Minimalwert, 60 % und Maximalwert. Damit wird der untere Rand des Messbereichs mitgeprüft.
  • Die maximale Anzeigeabweichung ist nicht die Messunsicherheit. Die Messunsicherheit beschreibt, wie sicher eine Messung ist; die Kalibrierscheine unseres Vergleichs weisen sie nicht aus.
  • Biegestab-Schlüssel müssen nicht entspannt werden; Feder-Schlüssel sollten nach Gebrauch zurückgestellt werden.

Konformitätserklärung oder Kalibrierschein — was liegt dem Schlüssel bei?

Der Experte macht den Unterschied an der Frage fest, wer ein Dokument ausstellen darf: Eine Konformitätserklärung nach Teil 1 darf nur der Hersteller des Drehmomentschlüssels ausstellen. Kalibrierlabore und andere Dritte dürfen das nicht; sie kalibrieren nach Teil 2, und daraus entsteht ein Kalibrierschein. Sein Rat: Beim Blick auf das beiliegende Dokument zuerst prüfen, ob es ein Kalibrierschein oder eine Konformitätserklärung ist (Video 10:46–11:45). Die sieben Kalibrierscheine unseres Vergleichs stammen von einem Kalibrierlabor, der QMK GmbH in Offenburg; laut Schein wurde nach DIN EN ISO 6789:2003 geprüft, und eine Messunsicherheit ist nicht ausgewiesen. Beides steht im Test.

Was sich 2017 an den Prüfpunkten geändert hat

Nach der alten Fassung wurden Drehmomentschlüssel nicht vom Minimal- bis zum Maximalwert geprüft, sondern bei 20, 60 und 100 Prozent des Maximalwerts. Ein Schlüssel mit 200 Nm Endwert wurde also bei 40, 120 und 200 Nm gemessen. Die neue Fassung prüft am Minimalwert, bei 60 Prozent und am Maximalwert, damit der gesamte Bereich des Schlüssels abgedeckt ist (Video 12:29–12:56). Der Unterschied klingt klein, ist es aber nicht: Nach Erfahrung des Experten fallen die meisten Drehmomentschlüssel schon bei der Prüfung des Minimalwerts durch (Video 16:14). Genau das haben wir in unserem Vergleich gesehen: Bei allen sieben Schlüsseln lag die größte Abweichung am jeweils niedrigsten geprüften Punkt.

Eine Beobachtung, die der Experte dazu nennt: Ältere Schlüssel gehen meist von 20 bis 200 Nm; nach der Umstellung auf die neue Norm beginnen die meisten erst bei 40 Nm (Video 16:46). Das passt zu unserem Testfeld, in dem nur ein Modell bei 20 Nm anfängt.

Maximale Abweichung ist nicht Messunsicherheit

Ein Kalibrierschein nennt je Prüfpunkt die Abweichung zwischen eingestelltem und tatsächlich ausgelöstem Drehmoment. Das ist ein Ergebnis. Die Messunsicherheit ist dagegen eine Eigenschaft der Messung selbst; der Experte nennt sie eine Summe aus sehr vielen Faktoren, „eine ellenlange Formel“. Ein Schlüssel kann eine sehr gute maximale Abweichung haben und trotzdem eine schlechtere Messunsicherheit (Video 14:50–15:23). Stahlwilles eigene Kalibrierscheine weisen nach seiner Aussage beides aus, maximale Abweichung und Messunsicherheit. Die Kalibrierscheine unseres Vergleichs weisen keine Messunsicherheit aus; das haben wir im Test offen benannt und deshalb keine abschließende Konformitätsbewertung vorgenommen.

Auf die Frage, was besser sei, ein Schlüssel, der konstant etwa −3,95 % danebenliegt, oder einer, der um plus/minus ein Prozent um den Sollwert schwankt, antwortet der Experte als persönliche Wahl: den schwankenden, weil die Chance, den richtigen Wert zu treffen, dann deutlich höher sei als bei einem, der konstant schlecht ist (Video 14:21–14:48). Der Beispielwert entspricht der größten Abweichung eines Schlüssels aus unserem Vergleich; die Einzelwerte stehen dort.

Biegestab oder Feder — und warum das Entspannen davon abhängt

Zwei Bauarten prägen auslösende Drehmomentschlüssel. Stahlwille verwendet in der 730er-Serie einen Biegestab statt einer Feder; die Ausnahme im Programm ist der 750 NR mit Feder (Video 03:04). Der Biegestab steht nicht unter Vorspannung und muss nicht entspannt werden (Video 03:47); die Herstellerseite zum 730N nennt es „kein Rücksetzen auf 0 erforderlich“. Beim Feder-Schlüssel ist die Feder vorgespannt; bleibt sie gespannt, setzt sie sich irgendwann. Deshalb die Regel des Experten: Feder-Schlüssel nach der Arbeit immer wieder auf null stellen (Video 03:49–04:06).

Muss ein Kalibrierschein dabei sein?

Eine generelle Pflicht, einen Kalibrierschein vorzuhalten, gibt es nach Aussage des Experten seines Wissens nicht; jeder sei für seine Arbeit selbst verantwortlich (Video 09:00–09:09). Ein Kalibrierintervall nennt das Video nicht. Unser Test zitiert die Herstellerempfehlung von Kraftwerk: Neukalibrierung etwa alle zwölf Monate oder nach 5.000 Auslösungen, je nachdem, was zuerst eintritt.

Faktentabelle

Aussagen aus dem Besuch mit Quelle und Zeitstelle im Video
Aussage Quelle Zeitstelle Status
6789:2003 obsolet; seit 2017 Teil 1 (Konformitätserklärung) und Teil 2 (Kalibrierung) Experte Stahlwille; DIN EN ISO 6789-1/-2:2017-07 10:24–11:29 belegt
Prüfpunkte 20/60/100 % vom Maximalwert → Minimalwert/60 %/Maximalwert Experte 12:29–12:56 Expertenaussage
Maximale Abweichung ≠ Messunsicherheit Experte; eigener Test (Scheine ohne Messunsicherheit) 14:50–15:23 belegt
Biegestab nicht entspannen; Feder nach Gebrauch auf null Experte; Herstellerseite 730N 03:04–04:06 Herstelleraussage
Größte Abweichung am niedrigsten Prüfpunkt bei allen sieben Testgeräten eigener Test (QMK-Scheine 11.06.2026) — belegt
Nach 2017 beginnen die meisten Modelle bei 40 statt 20 Nm Experte 16:46 Expertenaussage

Die gezeigten Schlüssel

Im Video erklärt der Experte die Bauarten an Stahlwille-Modellen: dem 721 Quick mit fester, nicht wechselbarer Ratsche (Video 04:53–05:58), dem 730 Quick beziehungsweise 730N, bei dem sich ein anderes Einsteckwerkzeug einstecken lässt (Video 06:01–06:58), und dem 750 NR mit Feder. Das 750NR/200 ist zugleich das Modell, das in unserem Vergleich extern kalibriert wurde: größte gemessene Abweichung −2,58 % bei 40 Nm, Herstellerangabe von ± 4 % eingehalten, einziger Schlüssel im Feld mit 0,5-Nm-Feinskala. Die Herstellerseite beschreibt beim 750NR einen Kniehebel-Schaltmechanismus, bei dem am Auslösepunkt die Federkraft überschritten wird.

Eine Bezugsquelle mit Provisionslink steht unten unter „Bezugsquelle“ — derselbe Link wie im Test.

Was wir bewusst nicht übernommen haben

Werbende Aussagen zur Kalibrieranlage, das Schulungsangebot des Herstellers und rechtliche Wertungen zur Nutzung alter Scheine geben wir nicht als Tatsachen wieder. Aussagen des Moderators über andere Testteilnehmer gehören in den Test, nicht hierher.

Quellen

  • DIN EN ISO 6789-1:2017-07 „Schraubwerkzeuge – Handbetätigte Drehmoment-Schraubwerkzeuge – Teil 1: Anforderungen und Prüfverfahren für die Typprüfung und Annahmeprüfung: Mindestanforderungen an Konformitätserklärungen“ und DIN EN ISO 6789-2:2017-07 „… Teil 2: Anforderungen an die Kalibrierung und die Bestimmung der Messunsicherheit“; beide ersetzen DIN EN ISO 6789:2003-10 (DIN Media).
  • Kalibrierscheine QMK GmbH, Offenburg, 11.06.2026 (im Test verlinkt)
  • Herstellerseiten stahlwille.com: Drehmomentschlüssel MANOSKOP® 730N (Biegestab) und Drehmomentschlüssel 50021004 (750NR, Feinskala, Federkraft)
  • Video „Drehmomentschlüssel Test: Der Experte klärt uns auf“, SUG Tool Lab, 15.09.2026, Kapitel 02:41 Technik · 08:50 Kalibrierscheine · 15:58 Prüfung
Anzeige · Provisionslink

Bezugsquelle

Derselbe Link wie im Test. Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision; der Preis ändert sich für dich nicht.

Unser Test dazu

Drehmomentschlüssel: 20 € gegen 170 € im Test

Unabhängig gemessen, nach derselben Methodik für alle Teilnehmer. Ergebnisse und Rangfolge stehen ausschließlich dort.

Zum Testbericht
Weiterlesen

Weitere Einblicke

Zum Hersteller

Messe

Messe

Erklärt